Neulich in Tylsen
Die Arbeit als Lokalreporter kann wie Urlaub sein. Zum Beispiel, wenn es zum Gemeinderat in ein abgelegenes Dorf geht. Kürzlich zum Beispiel fuhr ich nach Tylsen zum Gemeinderat. Die Tagesordnung war knapp, der öffentliche Teil schnell abgehandelt. Der Rat freute sich, dass mir der kleine Ort so gut gefiel. Die Bürgermeisterin wunderte sich, dass ich noch nie in Tylsen gewesen war und gab mir eine Wegbeschreibung zur Schlossruine am Rand des 132-Einwohner-Ortes. „Das müssen Sie unbedingt sehen. Gehen Sie hin, solange noch die Sonne scheint“, gab mir der Gemeinderat mit auf den Weg. Ach ja, in Tylsen können man sich nicht verfahren, zur Not habe sie ein Navigationssystem im Auto, sagte die Bürgermeisterin.
Und es ist wahr, um sich in Tylsen zurechtzufinden, braucht man kein Navigationssystem. Es gibt nur eine Straße mit diversen Verzweigungen. Klinkerhäuser, eine Feldsteinkirche und eine Informationstafel für Touristen. Etwas abgelegen schimmert ein Dorfteich im Wald.
Kein Verkehr, das über 1000 Jahre alte Dorf liegt in einer leichten Senke hinter Niephagen. zweieinhalb Kilometer von der L8 entfernt. Man fährt über eine schmale, unebene Straße durch einen Wald. Und eigentlich sollte man für sich behalten, wo genau dieser Ort liegt. Denn er ist so unglaublich friedlich und schön. An einem der Häuser – einstöckig, freistehend, kleiner Garten – hing bei meinem Besuch ein Schild: „Zu Verkaufen“. Vielleicht sollte ich mit der zuständigen Sparkasse sprechen…
Das Wetter
Als der Postbeamte Philippe Abrams in dem Kinofilm „Willkommen bei den Scht’is“ wegen eines „dreisten Schwindels“ in das nordfranzösische Bergues versetzt wird, schenkt ihm seine Frau – mitten im Sommer – eine Daunenjacke. Ein leuchtendrotes, dick gefüttertes Exemplar.
Denn in Bergues ist es kalt, sehr kalt. Nach Meinung der Südfranzosen schneit es dort ständig. Ich hatte keine Vorurteile der Altmark gegenüber, was das Wetter angeht. Nach den letzten Wochen in der Kaltmark muss ich nochmal drüber nachdenken. Es ist immer kalt, selbst wenn es sonnig ist. In den letzten Tagen hatte ich in Bonn 20 Grad, für den Nordosten waren 14 Grad angesagt. Mein Vermieter hingegen denkt, es sei schon seit dem 1. Mai Frühling. Er hat die zischende, rumpelnde Heizung im Keller abgeschaltet. Seither knarzt eas abends nicht mehr im Fußboden, an der Stelle, wo der gemütliche Sessel steht. Dafür braucht man abends eine Decke. Zum Rauchen muss ich vor die Tür, auf die Terasse. Ich habe versucht, herauszufinden, wo es kälter ist: Darußen oder drinnen. Ich weiß es nicht.
Das Verrückte ist: Das Hochparterre in einem Altbau scheint generell sehr schattig zu sein, so dass man sich morgens dicker anzieht, als es sich mittags als richtig heraustellt. Denn die Redaktionsstuben sind im Dachgeschoss eines anderen Altbaus. Diverse brummende Macs und atmende Menschen heizen den kleinen Raum auf.
So ist die morgendliche Kleiderwahl unter Umständen falsch. Könnte man nicht ein wenig der Wärme aus dem Kontor in die heimische Kemenate mitnehmen? Vielleicht sollte ich per Mac G4 heizen? Mein aluminiumkühler Laptop gibt nicht genügend Wärme ab. Zeigt mir dank seiner Energieeffizienz die kalte Schulter. Zumal ich den Blog in den letzten Tagen etwas vernachlässigt habe. Was zum Teil an der Kälte liegt und zum Teil am ordentlichen Arbeitspensum. Mein Kollege Philipp lenkt ich außerdem ab, wir sitzen bis spät abends auf der Terasse und quatschen. Ein wenig Faulheit ist auch dabei, ich gebe es zu und gelobe Besserung.
Denn es ist interessant in Salzwedel. Demnächst mehr darüber.
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