Halbzeit im Osten
Sechs von zwölf Wochen bei der Salzwedeler Volksstimme sind vorbei. Zeit für eine Zwischenbilanz. Grob überschlagen kamen während 28 Arbeitstagen 60 bis 70 Artikel zusammen. Nicht alle waren interessant, das gebe ich zu. Das Lokalreporter-Klischee Kaninchenzuchtverein war allerdings nicht dabei. Dafür lernte ich zusammen mit Müttern und Vätern, wie und wann Kinder sprechen lernen, kletterte auf Kirchtürme und sprach mit dem Leiter des Tierparks, dessen Verwaltungsgebäude in der Nacht zuvor gebrannt hatte.
Hier habe ich gelernt, dass Kinder sich mit dreinhalb Jahren alles merken, was sie hören und alles wissen wollen. Dass Kirchturmtreppen oft schief und staubig sind und ein Kirchenschiff von oben aussieht wie der Mond. Unterhaltsam, bei allem nötigen Ernst, sind Gerichtstermine. Der Amtsgerichsdirektor bringt die Dinge gern auf deen Punkt, spricht Gerichtsnotoriker auch schon mal etwas deftiger an.
Auch ein Highlight: Der Landeswettbewerb der Sachsen-Anhalter Männerballette. Pelz und Plauze in Tüll verhüllt, schwangen die Männer in Fummeln ihre stämmigen Tanzbeine. Man stellt sich das vielleicht gruseliger vor, als es ist. Denn viele Choreografien waren ernsthaft einstudiert, geprobt und umgesetzt. Die Sieg-Kandidaten waren originell verkleidet und tanzten aufwändige Figuren. Eine vielköpfige Jury achtete auf die korrekte Ausführung. Schließlich gibt es kaum eine ernstere Angelegenheit als Karneval.
Ein herrliches Klischee, eine Karikatur des Lokaljournalisten ist Horst Schlämmer, der stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts. Zumindest hier bin ich ihm noch nicht begegnet.
- Katharinenkirche
- Männerballett – Genthin

